sitzung: 9 [ Protokoll ]
datum: 08.11.2001
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Inkontinenz (von zichorius)

Es war einmal ein Sender, der sendete und sendete und sendete. Musik. Sie konnten sich keinen Ansager leisten. Es gab nur Musik und Werbung. Für Brezeln, Backmischungen und Produkte, die Unterhosen ähneln, aber nichts durchlassen. Inkontenz oder Kompetenz oder so. Außerdem Musik den lieben langen Tag. Zwischendurch preisen sie die Brezeln, Backmischungen und diese Plastikunterwäsche an. Es kommt der Tag, da einer und eine mal auf so was angewiesen ist. Ganz sicher. Prostata und Ängste. Oder beides zusammen. Oder keins von beiden. Einfach nass mit Musik dazu. Ist ja jedem schon mal passiert, oder? Im Schlaf oder wenn jemand dich bedroht, so ganz brutal an der Straßenbahnhaltestelle, im Aufzug und am Strand zwischen den Schlingpflanzen. Noch nie passiert? Also, ich wurde bereits mit vorgehaltener Waffe gezwungen, Drogen zu versuchen, oder ein Dealer hielt mir in der Unterführung ein Messer an den Hals und wollte mich so zum Kauf überreden. Da macht man sich in die Hose, is doch ganz normal.

Ich will, ich will, nein eigentlich will das doch keiner. Was ist denn zum Beispiel mit vorsätzlichem sich selbst anpissen, so unter der Dusche oder beim Baden einfach laufen lassen, so extrem entspannend. Manche machen auch Eigenurinwaschungen, frühmorgens im Gesicht oder vor dem Schlafengehen, soll ja so gesund sein. Verliert man den Respekt vor sich, wenn man sich bepisst oder steigert es einfach die natürliche Ausstrahlung, ich meinte selbstverständlich die rituellen Waschungen. Ein weites Feld, würde Fontane sagen und ich verliere den roten Faden.

Erzählen möchte ich noch, dass, als es bei meinem Opa soweit war, da wollt er nicht mehr. War ihm zu peinlich. Zwei Wochen später ist er gestorben, einen Tag vor Weihnachten.
Inkontinenz von zichorius





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