sitzung: 9 [ Protokoll ]
datum: 23.10.2002
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Du bist dein Hotelzimmer (von hysterius)

Nun war Bertha in Mexiko Stadt. Ausgesuchte Kleider, weiße Blusen. Ein Scout fuhr sie durch die Gegend. Sie hatten drei Tage Zeit um alles vorzubereiten. Dann würde er kommen. Marc! Nun hatte sie ihn also doch unter Vertrag genommen. Eigentlich kotzte sie das an. Nicht weil er nicht gut war, sondern weil sie sich nicht gerne bestechen ließ. Sie ließ nichts aus, aber bestechen lassen wollte sie sich nicht!
Drei Tage später war alles gebongt: Die Locations ausgesucht, die Garderobe gebügelt und der Fotograf in die Schranken verwiesen. Die Kunden waren glücklich in ihre Hotels gekarrt und mit Tequila versorgt worden und Marc war im Auto vom Flughafen bereits auf dem Weg hierher. Alles lief bestens!

Auf einer Terrasse über dieser himmlischen Stadt saßen sie nun zusammen in einem Restaurant. Es wurde gescherzt und der Fremdenführer flirtete sogar mit Bertha. Was Marc zum Glühen brachte.„Wie, ihr ward essen?!“ fragte er. Marc hielt eine der Quittungen hoch, die Bertha zur Abrechnung vorhin achtlos auf den Tisch geworfen hatte. „Wann denn das?“ fügte er hinzu und blickte zynisch grinsend auf den Fremdenführer, der davon widerrum nichts merkte, da er gerade ein blitzendes Lachen in Richtung Bertha warf. Natürlich waren sie essen, rein geschäftlich, aber das verschwieg sie Marc in diesem Augenblick. Schließlich war sie Marc nichts schuldig. Nichts! Sie lachte als Antwort. Marc wollte sich keine Blöße geben. Also lachte er zurück und tat so, als ob er die Aussicht genoß, versteckt hinter seiner undurchsichtigen Sonnenbrille.

In der Ferne sah man ein eingestürztes Haus, eine Ruine, ein gestrandeter Wal, dessen weiße Rippen in den abendlichen Himmel ragten. Urban Decay. Die wundervolle Vergänglichkeit dieser Stadt mit ihren kaputten Mauern. Ein kurzer Augenblick des Glücks durchzuckte Bertha. Unvorstellbar, dass sie hier war! Doch dann ging die Sonne unter. Abendruhe war angesagt! Der Fotograf wollte früh anfangen- in Leinen und Seide bei Sonnenaufgang! Marc mußte also unter eine Schönheitsmaske und Diego, der Fremdenführer mußte telefonieren gehen. Auch Bertha zog sich also zurück. Sie hatte mal wieder das kleinste Zimmer von allen! Sie bekam immer die schlechteren Räume. Einmal hatte sogar ihre Assistentin ein größeres Zimmer gehabt! Das muß man sich mal vorstellen: Die Assistentin wohnt besser als die Chefin! Bertha fand, solche Hirarchien müssen verstanden werden. Auch ohne Worte. Eigentlich hätte ihre Assistentin also stillschweigend tauschen sollen. Das sie es nicht machte, war für Bertha ein Kündigungsgrund. Jetzt hatte sie eine andere Assistentin, aber trotzdem ein beschissenes Zimmer. Es mußte also an irgendwas anderem liegen. War es Zufall? Vielleicht lag es an ihrem Nachnamen: Müller. Das klang ja schon zweitklassig. Und dann war sie auch noch eine Frau. Im allgemeinen aber besonders in solchen Ländern eine hoffnungslose Kombination. Sie könnte ja die Putzfrau, Geliebte, Maskenbildnerin oder sonst was sein. Wer sollte schon damit rechnen, dass sie wichtig war. Genau, sie war wichtig. Eine Entscheidungsträgerin! Sie nahm den Höhrer ab und rief den Zimmerservice an: Eine Flasche Cutty Sark, ein großer Salat mit Pute, ein Obstsalat und sechs Flaschen Volvic! Für den der jetzt noch nicht wußte, dass sie wichtig war, bestellte sie noch eine ganze Packung Valium, beim Hoteldoktor. So. Jetzt sollte es bis zum letzten Kartoffelschäler durchgedrungen sein. Sie hatte vielleicht das kleinste Zimmer, aber sie gab das meiste Geld aus, vom Trinkgeld ganz zu schweigen! Da klopfte es. Und wer stand vor der Tür? Marc, mit der Gurkenmaske. Gab es noch was zu besprechen? Fragte sie unsicher. Er und sie allein, das sollte sie abstellen. Sie ließ ihn ins Zimmer.
Du bist dein Hotelzimmer von hysterius





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