sitzung: 7 [ Protokoll ]
datum: 20.11.2003
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Gottabstufungen Drei: Kreiselnder Stillstand (von rio de janeirius)

Sie ließen sich neben ihm nieder und schon bot der grüngoldene Tresen keinen Platz mehr für einen weiteren Barhocker.
Die beiden Bedienungen, eine junge Blonde und eine alte Blonde, waren erfreut: Endlich Kundschaft, endlich was zu zapfen!
Aber mit der schönen Stille in der Diele war es aus. Den Wortführer machte der Kräftige, ein notorischer Angeber - das sah man bereits aus den Augenwinkeln. Der Dürre hechelte und wirkte dabei wie ein Windspiel, das unbedingt noch einmal auf die Streckbank will.
Er zupfte am Kragen seines schwarzen Hemdes und lauschte ihrem Gespräch.
Die beiden hatten nach einer Hausnummer gesucht, die es nicht gab. Es waren Wirrköpfe - er mußte scharf hinhören und scharf mitdenken, um zu begreifen, was sie eigentlich wollten.
Es ging um die Hausnummer 96 und eine Firma namens Pi-Nuts. Es ging um die Hausnummer 69 und einen Rechtsanwalt namens Ficker. Und es ging um die Differenz der beiden Zahlen, die Hausnummer 27, weil nämlich der Mittelwert, wenn man 96 durch 3 teilt und wenn man 69 durch 3 teilt, auch bei 27 liegt. Der Dürre monierte zwar einen Denkfehler, aber der Angeber rechnete es ihm auf einem Bierdeckel vor.
Ihre beschwipste und irgendwie unpassende Zahlengläubigkeit rührte ihn.
Die beiden waren das nördliche Ende der Straße abgegangen, zwischen der Hausnummer 33 jedoch, der Staatsbibliothek, und der Hausnummer 8, einem pharmazeutischen Unternehmen mit dem schönen Namen Sanofi-Synthelabo, gab es keine Gebäude mit dazwischenliegenden Hausnummern. Und auch die 27 existierte offenbar nicht.
Als sie alle zufällig gemeinsam Bier bestellten und damit die Blondinen verwirrten, sprach er die beiden an und zeigte auf einen Internet-Rechner, der hinter ihnen an der Wand stand. Sie guckten verlegen. Er sagte aufmunternd Google zu ihnen. Sie kratzten sich an den Hinterköpfen. Darauf nahm er das für sie in die Hand.
Es stellte sich heraus, daß die heutige Nummer 72, die schräg gegenüber auf der anderen Straßenseite lag, früher die Nummer 27 gewesen war. Ein gewisser Elias Levy, ein Redakteur, hatte dort gewohnt und 1879 ein Buch unter dem Titel Ungereimte Chroniken herausgegeben. Und daß die verschollene Jacht Tümmler, die der 1879 geborene Albert Einstein von Freunden geschenkt bekommen hatte, zum letzten Mal an ihrem Werftanlageplatz in der Potsdamer Straße 27 gesichtet worden war, allerdings in Caputh bei Potsdam draußen.
Schöne Funde, dachte er, aber die Gesichter der beiden blieben unzufrieden.
Stattdessen murmelten sie Fuchs und Gnom und wurden noch verlegener.
Seitlich am Bildschirm war ein rosafarbener, herzförmiger Ballon befestigt. Er lächelte und schlug ihnen vor, mit in sein Büro zu kommen. Sie zögerten. Als sich jedoch die Black Barbie vorn aus seinem Hemdkragen hervorbeugte und den Ballon mit einem scharfkantigen Anker zum Platzen brachte, da waren sie überzeugt.
Gottabstufungen Drei: Kreiselnder Stillstand von rio de janeirius





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