sitzung: 12 [ Protokoll ]
datum: 17.03.2004
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Verschwinden (von asparagus)

Er erträumte alles, was mit Menschen geschieht, ihre Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Mitten auf der verlassenen Potsdamer Brücke stand ein Mann, angelehnt an einem alten roten Lieferwagen. Staroske tratt neugierig näher. Zwar erschien die merkwürdige Gestalt einem verzerrten Traumbild entsprungen zu sein, aber wenn es nun stimmte, was sie behauptete? Wenn sie ihm, dem mächtigen schöneberger Fleischermeister, wirklich eine Zukunft voller Abenteuer und Gefahren zu erträumen vermag? Des Zusammenlebens mit seiner tyrannischen Frau Gerda überdrüssig, hatte Staroske soebend beschlossen, alle Bindungen hinter sich zu lassen und sich auf die Suche nach dem Glück zu machen. Wo es zu entdecken ist?
Er wusste es nicht mehr, nur, diesen Ort gibt es auf keiner Landkarte. Er hatte soviel Blut gesehen im Leben, soviel Leid ertragen in seiner Ehe, soviel Kunden beschissen, aber seine Ware war immer frisch, nur die Herkunft hatte sich in letzter Zeit verändert, wie er. Staroske wusste, er ist krank, er ist im Grunde ein friedlicher Mensch, doch mit den Jahren ist er krank geworden, das viele Blut. Er hatte genug von dieser Straße, die ihn so krank gemacht hatte, er wollte doch nur helfen. Jeden Tag sah er dieses Elend mit seinen merkwürdigen Gestalten leben, vor seinem Schaufenster, die Strasse entlangeilen, dass verwelkte Leben, ohne Zukunft. Wie oft hatte er hinter seinem Tresen gedacht, mein Gott, die armen Alten und Kranken. Einer muss doch handeln, so kann es doch nicht ewig weitergehen, in der Potsdamer Straße, dachte er sich und dann hatte er die Kontrolle verloren, er fing an die Menschen zu hassen. Menschen, wie den hübschen Pfarrer Fuhr von der Apostelkirche, der sich die Aufforderung der Drogenpolizei zu Herzen nimmt, seinen Schäfchen von der Kanzel herab Suchtentwöhnung zu vermitteln; oder die resolute Redakteurin des Tagesspiegels, die bei jedem, darfs ein bisschen mehr sein, in seinem Laden in Trance fällt; oder der charismatische Verkäufer bei Ave Maria Devotionalien, der sein künstlerisches Talent in die Kreuze und Gemälde steckt, die er auf den Innenseiten der Särge mit den Toten auf die ewige Reise schickt. Scooter hatte recht, Game is over. Wirklich sonderbar diese Potsdamer Straße, deren Bewohner fest davon überzeugt sind, dass ihre Straße wieder Geschichte macht. Nur ein Wunschtraum?
Verschwinden von asparagus





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