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datum: 22.10.2003
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Splinters (von bürgermeister)

Die sanfte Jazzmelodie überspülten langsam das in unzählbare Zeitfragmente zerfallene Großstadtleben. Warum nur stand die Körnigkeit der Zeit mit der Anzahl der Menschen um einen herum in Verbindung? Seit sie in der Potsdamer Straße wohnte und durch ihren Beruf bei der Presse mit vielen Leuten zusammentraf, wurden die Zeiteinheiten immer kleiner. Es passte jetzt zwar eine Menge mehr in ihren Tag, doch irgendwie zersplitterte die Zeit wie eine Fernsehröhre auf Asphalt. Früher während der Studienzeit war Anzahl und Größe der Zeit-Splitter noch übersichtlich, war eher wie bei einer Fensterscheibe die zerspringt.
Aber der Jazz hatte eine heilende Wirkung: mit einer versöhnlichen Honignote benetzte er die Zeit-Splitter und alles wurde plötzlich zu einem wunderbaren organischen goldgelben Zeitbrei der sie versöhnlich stimmte. „Blue Satin“ – den Bandnamen würde sie sich merken, und mit dem Kauf einer CD würde sie sich ein Erste-Hilfe-Kit für das Leben in der Potsdamer zulegen.

Überraschend kippt das alles – war es nur eine Illusion?
Auf der Bühne steht ein halbnackter Rocker mit kreisrundem Haarausfall in einer Nietenlederjacke. Neben ihr diskutieren zwei Frauen lautstark über abwegige sexuelle Vorlieben. Die Zeit scheint augenblicklich wie eine zerbrochene Windschutzscheibe in der die einzelnen Teile noch durch eine Kunststoffschicht zusammengehalten werden. Schnell raus aus der Bar bevor noch schlimmeres passiert.
Splinters von bürgermeister





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