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datum: 06.01.2005
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Kesselgucker (von rio de janeirius)

Die Sonne schien, da sie keine Wahl hatte, auf nichts Neues. Guten Morgen, und wenn wir uns nicht mehr sehen sollten: Guten Nachmittag, guten Abend und gute Nacht. Die Zimmerdecke war verschwunden und über ihnen wölbte sich ein Magnet-Helm-Dom von den Ausmaßen Germanias. Es begann zu schneien. Still und leise und leuchtend rieselten die Schneeflocken herunter. Jede trug in ihrer Mitte einen glimmenden Nematoden, der sich kringelte wie eine Buchstabennudel und der einen feinen Vanillegeruch verströmte. Die Zimmerwände waren zum Horizont verrückt und durch das Schneeplankton näherte sich eine Gestalt mit wehendem Kittel und einer pausbäckigen Peter-Lorre-Maske. Es war der Oberkannibale und sie konnten seine Gedanken vom Flockengestöber ablesen:
Im März war es im Casino des Londoner Ritz Hotels zu einer Kesselguckerei gekommen. Eine schöne Ungarin hatte mit ihren beiden Mitstreitern über eine Million Pfund Sterling abgeräumt. Die Dame trug ein Handy mit Laserpeilgerät und übermittelte damit die Koordinaten der Kugel zu einem Taschencomputer und der dritte Mann im Bunde setzte knapp vor Toreschluss auf die berechneten Felder. Die Casinoleitung klagte vor Gericht gegen das Trio, aber es war nichts Ungesetzliches daran. Bereits in den 1960ern hatte es Claude Shannon auf ähnliche Weise probiert. Dem Begründer der Codierungstheorie standen jedoch nur bescheidene technische Mittel zur Verfügung und als immer wieder seine hautfarbenen und hauchdünnen Kabel brachen, die er sich am Hals zum Ohr hin verlegt hatte, um das piepsende Setzsignal unbemerkt hören zu können, gab er trotz beachtlicher Anfangserfolge auf. In den 1970ern führten die Eudämonischen diese Versuche in Las Vegas fort und wurden so zu Mitbegründern der Chaostheorie. Zwei von ihnen verschmolzen ihre Genome und setzten damit Splinter Coomassie in die Welt...
Der Mann mit der Maske stand jetzt direkt vor ihnen. Er schloß die Augen und steckte seine Zunge durch den Mundschlitz heraus. Eine Schneeflocke senkte sich auf die Zungenspitze, zerbrach mit einem Triangelton und gab den Nematoden frei, der sogleich nervös zwischen den Kristalltrümmern herumzuschlängeln begann und sich offenbar nach der Gesellschaft sehnte, die inzwischen den Fußboden mit einem pulsierenden Geflecht überzog. Die Zunge fuhr wieder durch den Mundschlitz zurück und nahm den armen Wurm mit. Der Mann schluckte, öffnete die Augen und sagte genießerisch: Die Yrrtum Boys sind back am Boden des Kessels und sie haben ihre Gyrls zum Kochen mitgebracht – ihr seid eingeladen! Das C in meinem Namen steht übrigens für Caliban und wölbt sich so verfressen, wie ich nun mal bin. Doch genug der dünnen Buchstabensuppe: Vorgeschmack ist, wenn das Hauptgericht nicht mehr lange auf sich warten läßt. Kommt mit zum Hellhouse, wir haben alles im Griff. Blondini, du zuerst! Verdammt, ist das glitschig hier!
Kesselgucker von rio de janeirius





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Kesselgucker


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