sitzung: 6 [ Protokoll ]
datum: 13.05.2005
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Gott gewinnt (von translatorius)

„Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“

Sie steht auf einem Plateau. Wolken verhüllen den Blick in den Abgrund. Eine kalte Sonne scheint unerbittlich auf jeden Grashalm, auf jede Pore und jedes Haar. Sie hält die Hände vors Gesicht. Leuchtgeschwüre blitzen auf der Netzhaut.

Gott ist mal wieder abgehauen und hat ein Chaos hinter sich gelassen. Nach Ihm die Sintflut. Sophia schnäuzt in ihre bloße Hand. Der Schleim tropft durch die Finger auf den Boden, wo sofort kleine Blätter sprießen. Kresse und Kalmus. Sophia bückt sich und zieht büschelweise Kräuter aus der Erde. Sie stopft sie sich in den Mund, um nicht in Tränen auszubrechen.

„Mein Gott, warum?“

Sie nimmt einen Schritt nach vorne, zögerlich, einen weiteren, bis sie direkt am Abgrund steht. Sie öffnet die Arme, blickt in die Wolken und atmet durch. Mit dir oder ohne dich. Sie springt. Ihr Haar flackert auf, als wolle es zurück bleiben, bis es im nächsten Windstoß hinterher springt.

Sie fällt.

Sie fällt.

Sie fällt.

Sie vergisst zu atmen.
Leuchtgeschwüre blitzen in der Brust auf.

Ein Mann baut sich vor ihr auf und sagt: „Frage nicht, was Gott für dich tun kann. Frage lieber, was du für Gott tun kannst.“ Er lacht schallend und schlägt sich auf die Schenkel. An seinen Lenden wackelt ein stattlicher Dongl. „Den hat Er mir als Trostpflaster hinterher geworfen.“ Luzifer mustert sie abschätzig. „Und wo ist deiner?“
Sophia rollt mit den Augen.
„Oh, eine Heidin. Na, das wird dir hier auch nichts nützen.“ Er runzelt abschätzig die Stirn. In diesem Moment flammt Sophias Haar auf und er wirft sich keifend auf sie. „Nur drei Haare, mehr brauche ich nicht. Nur drei Stück!“
Er greift nach einzelnen Strähnen, doch wo immer er hinfasst, entzünden sich kleine Funken. Sophia reißt sich los und lüftet ihre Röcke. Luzifer fällt auf die Knie, als er den brennenden Busch sieht, und Sophia ist kurz davor, ihm einen Tritt zu verpassen. Sie beherrscht sich, rümpft mit der Nase und steigt über den weinenden Mann. Dann geht sie durch die Holztür zu ihrer rechten und steht.

Auf einem Plateau.

Der Teufel steckt im Detail. Sie rauft sich die Haare und schreit. Als sie damit aufhört, hört sie die Würfel. Gott, Einstein und Gödel spielen Mensch-Ärgere-Dich-Nicht.
Gott gewinnt von translatorius





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