sitzung: 5 [ Protokoll ]
datum: 28.04.2005
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Schon wieder dieser scheiss Dongl (von archivarius)

Ich bin noch nicht einmal um die Ecke gebogen, da kommt diese Dame auf mich zu (ich kann ihre Kleider nicht beschreiben, denn ich müsste beschreiben, was sie nicht anhat), redet von einem Dongl und davon, wie man ihn zum Glänzen bringt. Oder so.
"Ist das etwas aus Gold?", frage ich. Erst mal ganz unschuldig (denn man muss ja nicht immer gleich das Schlimmste denken. Und ich kenne nur zwei Dinge, die glänzen: Das sind die auf Hochglanz polierten Kerzenständer, die nur zu besonderen Anlässen aus dem Schrein geholt werden, und die Augen der Oberschwester Agatha, wenn sie einen allein im Gang erwischt und dann behauptet, sie müsse aus Sicherheitsgründen eine Leibesvisitation durchführen. Im Kloster. Naja. Von mir aus. Man könnte ja die Kerzenständer geklaut haben.).
"Ne, Schätzchen", kichert die Dame vor sich hin. "Gold ist ein Scheiß gegen den Dongl, den ich meine."
"Muss ja ein tolles Ding sein", sage ich.
"Ganz genau", sagt die Dame, zieht ein Fläschchen mit Körperöl aus der Tasche, und fuchtelt damit vor meiner Nase herum. "Hier drin steckt das Geheimnis des Dongls. Wenn du willst, zeige ich es dir."
Unschlüssig bleibe ich stehen. Ist der Dongl ein Geist in einer Flasche? Und wenn ja: Habe ich jetzt wirklich Lust, Bekanntschaft mit einem Geist zu machen (denn wohl gemerkt: Ich komme gerade vom Holzfällen, es hat Minus zehn Grad, ich muss Sofia finden, und die Kettensäge ist schwer wie, wie naja, wie ein halbes Haifischgebiss. Oder so.)?
"Vielleicht können Sie mir das ja später zeigen. Ich hab's nämlich ein bisschen eilig."
"Aber, aber", lächelt die Dame, "das dauert gar nicht lang."
Es handelt sich offenbar um einen Geist, der schnell zur Sache kommt. Keiner von denen, die man stundenlang anrufen oder mit Flötenklängen herauslocken muss. Das gefällt mir. Trotzdem lehne ich ab, denn wenn Schwester Zioran herauskriegt, dass ich hier meine Zeit mit irgendwelchen Geistern in Flaschen verbringe, gibt es nichts zu lachen.
Seufzend steckt die Dame das Öl zurück in die Tasche, sieht mich durchdringend an und fragt dann, ob sie sich mal eben die Kettensäge ausleihen dürfe.
Wozu sie die Säge denn brauchen würde, will ich wissen (immerhin ist die Säge Privateigentum des Klosters, und das leiht man nicht mal so eben mal aus!) .
"Ich könnte dir einen Dongl besorgen."
Aha. Der Dongl steckt also nicht in der Flasche, sondern es ist ein Ding, das sich fällen lässt, folgere ich. Da ich jedoch noch nie jemanden zu einem Baum habe 'Dongl' sagen hören, kann es sich nicht um einen Baum handeln. Ein Kerzenständer wiederum lässt sich nicht fällen. Es kann sich also auch nicht um einen Kerzenständer handeln. Und Oberschwester Agatha lässt sich nicht einmal mit einer Schnellfeuerwaffe zu Fall bringen (ich habe selbst erlebt, wie Schwester Beatrix in einer ihrer zahlreichen Versuche, einen Amoklauf überzeugend zu inszenieren, Schwester Agatha mit einer Kalaschnikov zweimal in den Bauch schoss, ohne dass Agatha auch nur mit der Wimper gezuckt hat). Es kann sich also auch nicht um Schwester Agatha handeln.
"Ich glaube, ich will keinen Dongl", sage ich (denn ich weiß ja nicht, wie lang das dauert, so einen Dongl zu besorgen, und, wie gesagt, ich muss jetzt endlich mal Sofia aufspüren.).
"Na schön", sagt die Dame, dreht sich um und geht davon, nicht ohne mich noch als 'schwule Sau' zu titulieren.
Eigenartig. Denke ich. Und dann renne ich über den Bahnsteig der Dame nach, mit dem Gefühl, nun doch wissen zu müssen, was ein Dongl ist.
Schon wieder dieser scheiss Dongl von archivarius





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