sitzung: 7
datum: 27.05.2005
ort: dokumentarius
anwesende: dokumentarius, zichorius, synkopus, rio de janeirius, bürgermeister, hysterius, translatorius
texte: 5 [ 1  2  3  4  5 ]
themen: games, garrincha - die zweite, spermagebäck, lafontaine & lucas, churchill & schröder
fotos: nein
Das Protokoll zur Sitzung vom 27.05.2005 (von translatorius):

pronto proto prollico

Die letzte ag vor der Autobahn sorgt an einem entspannten Freitagabend für viel Weinweibgesang bei den Anwesenden – leicht getrübt von der Kunde, dass Asparagus und das Schnuck des Zichorius auf der Burg nicht dabei sein werden. Schade. So müssen wir nun ohne unseren Ritter mit Furcht und ohne Tadel und mit nur vier Burgfrolleins in den Süden starten. Schatzmeister Zichorius verspricht, noch schnell auf der Kastanienallee ein paar neue Members anzuwerben, nicht älter als 25 und nicht männlicher als Scarlett Johansen. Wäre doch gelacht, wenn wir nicht spontan die zwei restlichen Tickets verchecken könnten … und das Lachen geht in die 2. Runde: Es gibt Texte, Babys.

So kichern wir über Hysterius’ handgeschriebenen Text „Luzern“, der live und stockend von Translatorius entziffert wird: Basierend auf authentischem Material wird der „langweilige Tantenbrief“ (Hysterius) zur willkommenen Abwechslung in dem „scharfsinnigen Gelaber“, das die ag-Sitzungen laut Zichorius sonst immer auszeichnet.

Weiter geht’s mit Rio de Janeirius „K.O. für die Ewigkeit“, gelesen vom Hausherrn, der sich für seine fehlende Konzentration sogleich entschuldigt („the devil made me do it“). Kodein und Frauen sind dieses Mal ausnahmsweise nicht im Spiel.

Merkwürdigerweise dient der Text als Sprungbrett zu einem kurzen systemkritischen Diskurs über „Empire Earth“, „SimCity“ und Computer-Profi Zichorius’ Lieblingsgame „Elite“, mit dem er schon viele Silvester verbringen durfte und weswegen er heutzutage nur noch seinen fußlahmen iMac, sozusagen das Shetland-Pony unter den Arabern, anfassen will. Translatorius steht auf einem kurzen, dicken Schlauch, als es um den Zweiteiler des französischen Schriftstellers am Ende des Janeirischen Textbeitrags geht. Häh? Atmende Steine? Ach nö, is doch vom ag-Außenminister Fjodor Garrincha, wobei wir nochmals darauf hinweisen wollen, dass Garrincha ein brasilianischer Fußballer mit X-Beinen war - für alle, die beim letzten Mal schon im Opiumschlaf waren, als Zichorius die X-Balltechnik demonstrierte. Heute lacht er sich eins und schiebt das erste von 100 köstlichen Spermabällchen aka Aprikose-Joghurt-Kipferl in das Tor zum Körper.

Um die Stimmung noch mehr aufzulockern, wirft Dokumentarius seinen Soundbeitrag „Wilde Hilde“ ein. Und was soll ich sagen: Mmmmh … we’re lovin it! Doku Christ Superstar featuring Bob Marley mit einem Touch Saul Williams bringt Stimmung in die Bude: Hysterius schüttelt sich, Rio de Janeirius klatscht aufgeregt in die Hände und der fast völlig rauchfreie Bürgermeister beginnt endlich zu halluzinieren. Ein großartiger Sound mit Rhymes, die Sidos Schwanz nach Liliput schicken. Yeah!

Nach soviel unterer Chakra-Stimulation geht’s wieder in die oberen Regionen: Garrinchus’ „Geh weiter in Deinen Träumen …“ wurde von Hysterius szenisch gelesen und von Zichorius textimmanent interpretiert. Gottseidank war Dr. Fußball zugegen: ich hätte den Titel ja als Pjotr Maffayowitsch-Song abgetan, aber was wir dann von Zichorius erfuhren, schlug dem Fass den Boden aus: Rock ’n’ Roll meets Soccer meets sieben Leute mit 32 Augen. Was die Frage aufwirft: Wie viele Augen hat Gott? Wie viele Hoden hat Gödel? Und wie viele Spermabällchen kann Rio noch futtern? Die von Synkopus herbeigebrachte Schlemmerei stößt indes auf geteilte Meinungen. Von „Die sind köstlich“ (Hamburg), „Die sind widerlich“ (Oldenburg/Leonberg), „Die sind hart“ (St. Blasien) und „Iiiih!.“ (Olympos), setzt sich schließlich Hysterius mit „Man muss nicht alles wissen“ durch. Seltsam, aber wahr: Auch Spermakeks-Beschafferin Synkopus rührt keines der gelblichen Schaumkrüstchen an. Was weiß sie, was wir nicht wissen?

Vom Zucker geht’s zu Robert Plants Dongl und Translatorius’ Text und damit zu den Unterschieden von Raki (Löwenmilch), Ouzo, Sambuca, Ricard und anderen Reiki-Sorten. Da die Autorin von Anisschnäpsen nichts hält, hält sie sich bei den Fachsimpeleien von Alkexperten Bürgermeister und Zichorius zurück. Komischerweise landen wir von hier aus nicht bei Led Zeppelin, sondern bei Politik und irgendwer aus der Lesungsunit kommt auf die glorreiche Idee, die nächste Lesung „rassistisch“ zu gestalten. Oskar Lafontaine wird als Gastleser vorgeschlagen, aber nur, wenn er sich bei uns meldet, und Zichorius hätte ihn gerne im Duo mit olle Friedrich Merz (ag inhalt goes Leitkultur). Der Stammtisch kommt zum nüchternen Schluss: Politik ist das schlimmste Business, Politiker sind alle Arschlöcher, Politik ist Kosmetik, und alles wird schneller, wenn die „Rechten“ an der Macht sind.

Wie gut, dass wir nach derart unmodernen Speichelflüssen endlich zum postmodernen Werk von Textmystiker Zichorius kommen, mal wieder „Continued“, mal wieder mit ganz eigener Nummerierung, gefolgt von den wichtigen Fragen und Fragmenten des Lebens: „Auf was bezieht sich das davor?“ „Death Metal vs. Meditation“ „Nur ein paar Worte: so tief. So tief unten.“

Scheiße, schon wieder bei der Politik gelandet, und das kurz vor den Neuwahlen. Tiefer geht’s nicht mehr: Rio bringt’s ins Rollen und Psycho-Zicho rollt mit. Was hätten Churchill und Schröder über die ag inhalt gesagt? Die Meinungen differieren. Am Ende steht im Raum: Old Churchill hätte uns wie Schmeißfliegen ignoriert und Slick Schröder würde mit uns ein leeres Bier trinken. Ungreifbar, unfassbar, wie gut, dass es immer noch Lafontaine gibt („Der soll in den Puff gehen und ruhig sein“, Zichorius Christiansen vs. Rio Nowottny: „Ich bin auch ein Lafontaine-Wähler, ein saarländischer Rock ’n’ Roller“). Die Welt wird zu klein, Deutschland erst recht, und wir heben gesammelt ab und blicken ins glühende Kristall: Hysterius wird Star Wars 7 verfilmen und wir haben endlich einen Silvesterfilm, die russische „Chronicles of Narnia“ Verfilmung. Und wer ist der beste Büttenredner im Land? Clinton hinter den sieben Bergen bei den sieben Zwergen. Geht’s noch geschwätziger? Ich denke nicht. Die nächste Sitzung findet morgen um 10:30 vor dem Kino statt. Wer zu spät kommt, den bestraft Easy Jet mit dem 1x1 der dümmsten Stewardessen, bis dahin winke winke und vergesst den Proviant nicht.
 von translatorius





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