sitzung: 9
datum: 29.07.2005
ort: translatorius
anwesende: archivarius, asparagus, frau diana d., hysterius, rio de janeirius, rosamundus, synkopus, translatorius
texte: 7 [ 1  2  3  4  5  6  7 ]
themen: lesung, wermut, silikon, brazilian waxing, paris hilton, phobien, bvg
fotos: [view]
Das Protokoll zur Sitzung vom 29.07.2005 (von rosamundus):

Trinkbeutel in Tschernobyl

Man traf sich im zentral gelegenen Hause des (der besser „der“) Translatorius´ und des Bürgermeisters. Letzterer war nur digital zugegen, was sich schmerzlich in der fotografischen Dokumentation des Abends widerspiegelte. Zwar bemühte sich Translatorius, das Loch, welches der Bürgermeister in dieser Runde hinterlassen hat, durch eigene fotografische Betätigung zu füllen, aber ein Original bleibt eben ein Original, was sich auch an den über 300 Bilddokumenten zum Burgaufenthalt sehen lässt. Aber wen die Müritz ruft, den hält in Berlin nichts.

Die Vorgespräche wurden zunächst selbstverständlich von der anstehenden Lesung dominiert. Da die Kehlen der ag inhalt nicht genug hergeben, bedarf es technischer Unterstützung, deren Realisierung noch in den Himmel geschrieben steht. Aber gut Ding will Weile. Auch die ag inhalt kennt keine Probleme, sondern nur Herausforderungen. Soviel aus dem Reich der Binsen.
Es wurde weiter über die Outfitänderung von Altmitgliedern getratscht (die Gesprächsebene „Cosmopolitan“, „Bunte“ und „Gala“ sollte sich an diesem Abend noch fortsetzen) und über einen Laden mit dem kuriosen Namen „Trinkbeutel“ oder „Trinkteufel“ (so genau hat das die Protokollantin an dem Abend nicht mitbekommen) gesprochen, der nur noch etwas für alternde Punks ist. Aha. Muss man also nicht unbedingt hin.
Auch wurde eine gängige Definition für die Mozartkugel gesucht, wobei festgehalten werden konnte, dass die „Echte“ einen Nippel hat. Nun gut.

Irgendwann wurde auch gelesen und das reichlich:

Wir begannen mit dem im romantischen Fronkreisch lebenden Fjodorgarrincha, der erneut einen Text beisteuerte, der mit gewissen Leseanweisungen behaftet war. Um diesen „Makel“ wissend, ergriff sofort der sympathisierende Rio de Janeirius das Leserecht und las gemäß den Anweisungen vor. So kam die ag inhalt zumindest in den Genuss, Rio de Janeirius einmal singen zu hören. Definitiv wiederholungswürdig. Auch wurde die ag inhalt mit der Nase auf das Anna-Karenina-Zitat im Text gestoßen, die ein nicht unbeträchtlicher Teil der Anwesenden aber – nach ausführlicher Diskussion - eher doof findet. Also nicht das Zitat, sondern die Anna herself. Trotzdem schön, weil so romantisch. Und so schließt sich der Kreis (siehe oben Fronkreisch).

Im Anschluss daran las nun Frau Diana D. der Archivarius´ Text. Wieder einmal ein Detailgenuss.

Und nun ging´s Zack auf Zack: Rosamundus rezitiert Hysterius Email-Konversation, die nur aufgrund ungünstiger Druckereinstellungen zweiseitig war und daher noch angenommen werden konnte. Hysterius trat mit ihrem Laptop den Beweis an, dass es sich bei ihr nur um eine Seite handelte. Sei´s drum, lesenswert wie eh und je und daher wollten wir im Ergebnis auch auf jegliche Spitzfindigkeiten verzichten.

Danach las Asparagus den Text von Multiplus. Nein, hierbei handelte es sich nicht um ein neues ag-Mitglied, sondern viel eher um eine Symbiose, auf die wir schon lange gewartet haben und hoffen, noch mehr davon zu hören. Rio de Janeirius und Synkopus verschmelzen nun auch textlich und zeigen eindrucksvoll, wie sehr die ag inhalt doch von der Märchenwelt beeinflusst wurde und wird. Ein Traum in jeglicher Hinsicht.

Rio de Janeirius’ Text wurde im Anschluss von Hysterius vorgetragen. Irgendwie wurde dann die Frage hinsichtlich der Inspiration in den Raum geworfen, ob der Text wohl „auf Wermut“ geschrieben wurde. Im Ergebnis wurde dies dann verworfen, weil er dafür dann doch einfach zu kurz geraten war. Es wurde weiter Wissen unter die Leute gestreut, nämlich dass Tschernobyl übersetzt Wermut heißt, dass alles bereits in Johannes Offenbarung vorhergesagt wurde und irgendwelche Sterne vom Himmel hernieder fallen. Auch hier bekam die Protokollantin wieder nur die Hälfte mit (was zumindest zu Halbwissen führt), weil auch andere Gespräche parallel geführt werden mussten. Daher war ihr auch nicht mehr so ganz klar, wie überhaupt die Frage aufkam, wie viele Nüsse wohl Hitler hatte. Nicht, dass das nicht eine erörterungswürdige Frage wäre, aber verdammt, wie kamen wir dahin?

Weiter ging’s mit Asparagus Text, der von Translatorius gelesen wurde. Hier bleibt festzuhalten, dass der Gehirnverlust als Jahreszeit des Lebens zu werten ist. Was aus dieser Erkenntnis abzuleiten ist, sei jedem selbst überlassen.

Translatorius’ Text musste zu guter Letzt wegen allgemeiner Ermüdungserscheinungen auf Synkopus und Archivarius aufgeteilt werden, fand aber allgemein mal wieder großen Anklang. Bilder, die einen noch des Nachts verfolgen und zum nächsten Diskussionsthema führten: Phobien. Nicht nur das „menschliche Schmutzteil in Erregung“, sondern auch Schlangen und Spinnen können einen also in den Wahnsinn treiben. Und dieses ewige Gerede zur Überwindung der Angst … Frau Diana D. erzählte von Monsterspinnen, die sie unbewusst durch die Stadt spazieren getragen und in der U-Bahn ausgesetzt hat und nach solchen Geschichten soll man noch seine Ängste überwinden. Natürlich wurde eine Abwägung vorgenommen, ob Spinnen oder Schlangen nun schlimmer sind. Die armen Viecher, wenn die wüssten, welchen Vergleichen sie unterzogen werden.

Von den Phobien ging’s thematisch wirklich stufenlos zu Paris Hilton über, die eine ähnliche Auseinandersetzung hervorrief, wie wir sie einige Monate zuvor zu Sido und seinen HipHop-Künsten erleben durften. Ist sie nun Kunst oder peinlich? Ist sie clever oder blöd? Und um beim Boulevardtratsch zu bleiben, kamen wir zu den neuesten Schönheitstrends und Frau Diana D. pries in den höchsten Tönen die Vorteile von Brazilian Waxing an, das es nun auch in Berlin zum Happy-Hour-Mittagspausen-Preis in der Alten Schönhauser Straße gibt. Die Männer wird’s freuen, den Frauen wiederum werden die Tränen in die Augen schießen. Aber jedem das seine. Irgendwann werden alle glauben, dass sie nie anders haben leben können.
Rio de Janeirius wurde von der weiblichen ag-Riege dann über die weiteren Tricks der Frauenwelt aufgeklärt und sein Blick wurde entsprechend intensiv geschult. Ja, auch Rio de Janeirius kann jetzt eine Silikon-Brust von einer echten unterscheiden (der TV-Spielfilm sei dank). Wieder einmal hat die ag inhalt Aufklärungsarbeit geleistet.

Abschließend gab’s noch das eine oder andere Anekdötchen zur Berliner Schnauze. Zur Freude der Protokollantin kam die BVG mal wieder richtig schlecht weg. Auch andere Fahrgäste werden scheinbar uncharmant behandelt. Auf die Frage von Frau Diana D., ob denn beim Bahnhof Ostkreuz immer noch wegen Bauarbeiten der Bahnsteig gewechselt werden müsste, erhielt sie von einer BVG-Mitarbeiterin (am Info-Stand wohlgemerkt) die Antwort: „Woher soll ick dit wissen, kann ick von hier nach Ostkreuz kieken?“. Aber auch für diese Geschichten lieben wir Berlin.
 von rosamundus





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