sitzung: 1
datum: 18.10.2006
ort: rio de janeirius
anwesende: britanicus, dokumentarius, rio de janeirius, (synkopus), translatorius
texte: 4 [ 1  2  3  4 ]
themen: Schattenmembers, Treppenhausspuk, Gespenstergitarren, Phantomchinesen, the art of killing animals softly
fotos: nein
Das Protokoll zur Sitzung vom 18.10.2006 (von rio de janeirius):

Wenn der Mauszeiger von Geisterhand bewegt wird

Bei Rio im Treppenhaus gab es keinen guten Strom, weshalb die Klingeln nicht funktionierten und man die Stufen im Dunkeln erklimmen mußte. Erstankömmling Synkopus hatte ohne Effekt die Klingelknöpfe wundgedrückt, obwohl im Sitzungssaal Licht brannte, und war genervt wieder heimgegangen, um Rio telefonisch über den Mißstand zu informieren.

Rio leitete umgehend die erforderlichen Maßnahmen ein, und so kam es, daß Dokumentarius als erstes Member bis nach oben durchbrach. Doku war gerade bei Asparagus gewesen, der berichtete, er, Rio, habe ES wieder versucht. Nämlich Asparagus wieder zum Sitzungsteilnehmen zu bewegen. Erst lachten Doku und Asparagus darüber, dann Rio und Doku. Ja, man kennt sich.

Eine Gesprächsrunde über Kapitalismus und Depression später komplettierten Britanicus und Translatorius das literarische Quartett des Abends. Man setzte gemeinsam fort in Sachen Administratoren und ihren mächtigen magischen Mitteln. Wird es gutes Netzwerk geben und guten Textstrom?

Niemand weiß, was Archivarius so treibt. Der Bürgermeister ist immerhin mit der Google-Optimierung der AG-Seiten vollauf beschäftigt. Hysterius steigert sich im Ex-Member sein. Rosamundus weilt in Chinesien. Zichorius ist auf Monate hinaus verplant. Fjodor wollte fast wieder einsteigen. Die Gemälde von Ex-Member Pressfleisch blickten fragend hinab auf’s Quartett: Und Optimus? Supergirl? Caritas? Ach...

Britanicus trieb unerbittlich seinen Shakespearegenerator voran. Er startete mit einer Frau im Rollstuhl, deren Plastikpflanze Feuer fängt, woraufhin ihre Haustiere elendig verkokeln. Dann steuerte er auf frischgeschlüpfte Hühnerküken drauflos. Eines hatte er versehentlich in einem Schrank eingesperrt, wo es verhungerte. Zu seinem Schrecken, als er es fand, gesellte sich Entsetzen, als er entdeckte, daß die Fliegen den Leichnam bereits kräftig mit ihren Eiern spickten. Ein anderes Küken war nicht eine zukünftige Henne sondern ein zukünftiger Hahn. Aber wie sollte jetzt verfahren werden, da doch der alteingesessene Gockel dem noch feuchten Konkurrenten nichts lieber als schnellstmöglich die Augen auspicken will? Welchen sollen wir töten? Hoppla! Das führte zu einer verzweigten und nicht übereinstimmend beendeten Diskussion. Muß man denn da wirklich töten, weil die Herdendynamik nichts anderes zuläßt, und wenn ja, wie...

Zum Glück gibt es einen Ort für die Unsterblichkeit. Da, wo die aneinander gereihten Buchstaben wohnen, wo das geschriebene Wort pulsiert, wo Reim und Metapher fließen, da wollen wir hin: Zu den Texten.

Der CD-Player trägt vor: „warten auf den geisterschreiber“ von Dokumentarius.
Ein kapitalistisch-depressiv-gebranntes Stück mit Waschmaschinenloops. Und auch eine kleine Hommage an das Non-Ex-Non-Member Joachim Witt und seinen güldenen Reiter. Sie werden uns dienen.

Britanicus trägt vor: „Modder“ von Rio.
Wie heißt „pulen“ auf englisch? To fumble? To shell! Doku findet statt „Denken“ klar „Wichsen“ besser und richtiger.

Rio trägt vor: „Geisterjäger“ von Translatorius.
Damals hat Translatorius noch jede Menge englische Essays rausgehauen. Und ist heutzutage sich selbst so sehr auf den Fersen, daß alles fremd ist, wie beim ersten Mal. Oder frei nach Bukowski: Jeder wird als Genie geboren – und stirbt als Idiot.

Translatorius trägt vor „Der Schlammvulkan zu Java“ von Rio.
Was hat das mit dem Thema zu tun? Rio tut verschmitzt, ist aber verschwitzt. Mist, erwischt, denkt er. Nicht denken, Rio!

In Anbetracht des aktuellen Weltkriegs in der Wirtschaft und damit in der Wirklichkeit wurde abschließend noch ratzfatz erörtert, wo der Zusammenhang besteht zwischen dem asiatischen Brettspiel Go und dem sogenannten Prekariat. Aber das war dermaßen komplex und nervig, daß alle plötzlich ganz schnell fort wollten. Und weil Britanicus zwar ein großer Pete-Doherty-Fan jedoch nur ein kleiner E-Gitarren-Besitzer ist, hat Rio ihm seine Klampfe auf unbegrenzte Zeit geliehen...

Am Donnerstag, dem 2. November, geht’s beim Dokumentarius weiter: Come to Charlottenburg as far as you are.
 von rio de janeirius





warten auf den geisterschreibe...
Modder
Geisterjäger
Der Schlammvulkan zu Java


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