sitzung: 1 [ Protokoll ]
datum: 28.08.2003
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Der Müllmann (von pressfleisch)

Der Typ schleppt einen schwarzen Müllsack mit sich herum, der offensichtlich mit mehr gefüllt ist als ein paar leergefressenen Chipstüten und zerquetschten Bierdosen. Um kurz zu pausieren zieht er sich in die Nähe eines Hauseingangs zurück und stellt den Müllsack vorsichtig ab. Die vom Asphalt abgestrahlte Sommerhitze lässt Gerüche intensiver wirken: der Mann stinkt. Eine brünette Joggerin mit Pferdeschwanz und enganliegendem bauchfreien Dress, bewegt sich in disharmonisch schwankender weise vorbei; eines ihrer Beine ist ein hydraulisches Metallbein, welches in einem Asics-Sportschuh steckt. Ein Polizeiwagen fährt langsam in Gegenrichtung vor, darin eine einfältig lächelnde Blondine und ein machistisches Arschloch in Uniform. Der Müllsackträger macht sich wieder auf den Weg und passiert eine Dönerbude in der ein paar in die Jahre gekommene Türken Automatenglücksspiel betreiben. Was schleppst Du da Müllmann? Fragt eine Kinderstimme. Der Müllmann dreht sich um und blickt einer 10 Jährigen Schwarzhaarigen ins neugierige Gesicht. „Willst Du sie sehen?“ „Wen sehen“ fragt sie. „Tote Katzen!“. Das Mädchen wird etwas fahl im Gesicht. „Warum sind sie tot?“. „Weil sieben Leben nicht genug sind, um seinem Schicksal zu entkommen.“ „Was haben sie Dir getan, die armen Katzen?“ „Eine Katze hat meinen Hamster getötet, das ist meine Rache an der Spezies der Katzentiere.“ Das Mädchen dreht sich um und läuft auf den inzwischen am Strassenrand zum Stillstand gekommenen Polizeiwagen zu. „Der Mann da drüben ist ein Tierquäler und hat tote Katzen in seinem Müllsack!“. Die Polizistenblondine und das Arschloch in Uniform steigen aus dem Wagen und nähern sich dem Müllmann. „He was schleppen sie da mit sich rum?“ „Tote Katzen!“ „Tierquälerei ist strafbar zeigen sie mal her!“ „Du kannst einen Fuck in den Arsch haben Du Scheissbulle!“ In der Dönerbude wird es unruhig, eine Auseinandersetzung unter Gleichgesinnten kulminiert in einem Faustkampf, der die Streitenden auf die Strasse treibt. „Sofort auseinander!“ ruft die Polizistenblondine. Froh um die Ablenkung will der Müllsackträger sich wieder auf den Weg machen, wird aber vom Machopolizist unsanft gestoppt. Am Kragen der Jacke gepackt, wird der Müllmann gegen eine Hauswand geschmissen und ihm der Sack aus der Hand gedreht. „Nicht so eilig Freundchen, Hände über den Kopf und ganz ruhig.“ Der Müllmann gehorcht widerwillig, wenn der Polizist nicht bewaffnet wäre, würde er nicht so reagieren. Die Situation in der Dönerbude hat sich derweilst beruhigt. Eine Nase blutet. Die Polizistenblondine redet auf die Türken ein. Der Polizist öffnet den Müllsack aus dem sich eine rotbraune Flüssigkeit über das Gehwegplaster ergisst. „Ekelhaft, was ist denn das für eine Scheisse!“. Zum Vorschein kommt eine verweste kybernetische Kunstkatze, deren Fleisch vom metallenen Endoskelett fault. „Ich war ein paar Tage ausser Haus und meine Katze ist gestorben; bei der Hitze ist sie ziemlich schnell verwest.“ „Kunstkatzen müssen regelmässig gewartet werden, Zuwiderhandlungen verstossen gegen das Gesetz!“
Der Müllmann von pressfleisch





Ein Sarglager mit Marmorboden
Der Müllmann


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