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datum: 05.11.2003
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Expertengespräch (von pressfleisch)

#1 betritt die Bar, stellt sich an den Tresen und bestellt einen doppelten hochprozentigen, 15 Jahre im Cherryfass eingelagerten, Whisky. Er muss aufstossen und Teile der vorher verzehrten Mini-Tintenfische, kleine Tentakel mit Noppen, kehren auf ein zweites mal in seinen Mundraum zurück. Er spült die gummiartigen Frutti di Mare mit einem kräftigen Schluck Whisky wieder herunter, woraufhin er einen Blick zur Seite riskiert.
#2: Na alles klar?
#1: Kommt drauf an…
#2: Auf was…?
#1: Schon mal von einer „spontaneous Combustion“ gehört? Eine plötzliche, explosionsartige Entzündung des Körpers…
#2: Eigentlich nicht; was hat es damit auf sich? Ne Alkoholallergie?
#1: Jeder kennt doch dieses Phänomen von Hardcore-Alkoholikern, die im Supermarkt mit zittriger Hand, dem sogenannten Tremens, an einem vorbeischleichen und riechen wie ne frische geöffnete Schnapspulle..
#2: Ja klar, riechen wie konzentrierter billiger Fusel. Ekelhaft..
#1: Stell Dir vor jemand hält ein Feuerzeug dran und der ganze alkoholdurchsogene Körper mit all den hochprozentigen Zellen geht in Flammen auf…Da bleibt nichts über, der ganze Körper entzündet sich wie eine Fakel und entwickelt eine so enorme Hitze, dass sogar die Knochen zerstört werden....
#2: In dem Fall also keine „spontaneous Combustion“, sondern eine „intended Combustion“.
#1: Genau.
#2: Ich war vorgestern im Kino und hab mir den neuen Tarantino-Streifen angesehen.
#1: Warum denkst Du, dass ein paar pseudointellektuelle deutsche Wixer Tarantino nicht mögen?
#2: Na ja dieses Kritikerpack weiss manchmal gar nicht wovon es spricht, da wird irgendwas von Stubenhocker gelabert, dabei wissen die Typen nicht mal dass der Kerl in der ganzen Welt herumgereist ist, um seinen neuen Streifen zu realisieren. China, Japan, und so weiter, während die deutsche Kritikerfotze vor dem Monitor rumbummelt. Die nehmen das Maul ganz schön voll, dabei haben sie selbst noch nie ne Kamera in die Hand genommen. Das sind meist auch keine Film-Fans, sondern frustrierte Anpasser, die wegen ihrem kompromissgesteuerten verschissenen Leben, anderen Leuten den Spass verderben wollen.
#1: Ich fand ihn von einem ästhetischen Standpunkt sehr gelungen, das perfekte Kampfballet…einfach nur „schön“..
#2: Gut was ist schon „schön“? Hast Du jemals die ästhetische Perfektion eines Schmalstreifenmungos bewundert?
#1: Schön ist es, wenn es kontextsensitiv stimmig ist. Die gute alte amerikanische Gewaltschiene, durchsetzt mit einem Haufen Zitate aus dem asiatischen Kampfkunstfilm und dem Italowestern. Keine Neuschöpfung, sondern eine Rekombination aus dem Baukasten eines Filmkenners. Das einzige was man ihm vorwerfen kann ist zuviel Stil. Übermässige Stilisierung vermindert die Durchschlagskraft.
#2: Ein Schock für den Bildungsbürger?
#1: Der Bildungsbürger mochte Tarantino nie; die Kritiker haben ihm eingeredet, dass es zum Konsens gehört Noir-Crime wie RESERVOIR DOGS gut zu finden.
#2: Wie weit geht dieser Konsens?
#1 zieht ein Hatori Hanzo und schlägt #2 den Kopf ab. #1 zündet sich eine Zigarette an und vergeht in einer explosionsartigen Stichflamme.
Expertengespräch von pressfleisch





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