sitzung: 13 [ Protokoll ]
datum: 06.04.2004
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potsdamerstrasse.3 (von zichorius)

ein birkenwäldchen, anmutiger könnte es kaum sein. dahinter flackert im gegenlicht des späten nachmittags das tiefe blau. die fahrbaren fenster der terasse sind versenkt, es kriecht frische waldluft am holzboden entlang, ein paar bienen spielen ihr ewiges spiel.
"die natur ist perfekt und den rest werden sie auch noch kapieren."
was wollt ihr eigentlich: formbares hirn und schmalzmus? ihr geht dahin, wohin ich es euch werde sagen;
"dahin, wo der pfefferbusch oder heidelbeern, die klitzeklein charmant am wegesrand verblühen."
mit einer ausladenden armbeuge: "schreiber!"
ein gepflegter lakai dackelt heran, stumm verneigt er sich.
"bringe einige gäste mit, muss was hermachen später mit, sie verstehen schon, und stellen sie fackeln in den wald, vielleicht ein ordentliches feuer, es gibt grosses zu feiern!"
er schaut in die ferne, über den baumwipfeln färben sich die vorüberziehenden abendhimmelwolken.
"das werden sie schlucken wie nie", gurrt er und lächelt in sich hinein, während er sich am stift verbeisst.
"schreiber, schmeiss sofort den vermaledeiten grill an!"
ja, hedda, hilde und holde, aber helmut wird mich verstehen, einmal, hoffentlich ruft sie nicht an; mit einem plan, einer neuen VERBESSERUNG. dafür bin ich zuständig, allein ich.
er steht auf, den filzer gereckt, bückt sich, dreht wilde pirouetten, einem eistänzer gerecht, glatte ledersohlen auf gewachstem stein, stürzt, schreiber kommt ihm zu hilfe, "schleich er sich", er robbt über die marmorkaros, ein bein angewinkelt, eines gestreckt, die linke zum himmel erhoben, der terasse entgegen, "ihr werdet mich kennenlernen", jetzt und heute - völker dieser welt - mich kann keiner aufhalten, der einfältige nicht und der rest sowieso.
"schreiber, hol vera und die anderen, sie übernachten hier und bereiten sie alle zimmer vor, mildtätig erhebt er sein glas: "UFA, dank und hure".

motorenlärm mannigfaltig nähert sich, es hupt und die motorradstandarte kündigt ihr erscheinen an, "erlaube konvoi zu diensten".
er wirft sich in hut und mantel. er wickelt sich in seinen weissen schal und verlässt das landhaus, besteigt die limousine, reicht seinem sekretär die mappe und sagt: "auf, es ist meiner".

tausende gestreckte und gereckte empfangen ihn, es riecht nach bier und bratwurst. er kann in einige glasige augen blicken. schaut alles ganz gut aus, sie sind bereit. er entfernt sich von der bühne, "zeigen sie noch ein paar stukas", und geht in seine ankleide. er betrachtet sich im spiegel, sind die wohl alle so blöde wie ich, er ballt die faust und stösst die maske weg, "haut ab, heut brauch ich euch nicht". heut lauf ich zur grossen form auf, das hat noch keiner gehört, das ist brandneu.

sterne funkeln über den tannen. vera tanzt im marmorsaal. der grill glüht und spotzt, die allgemeine stimmung ist bestens. im vestibül fühlt er ermattet ein heisses pochen, "ist es mein fieber oder spürt das bald die ganze welt". und damit schläft er ein.
potsdamerstrasse.3 von zichorius





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