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datum: 06.04.2004
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Von Mars und Pluto: Goodbye today hello tomorrow (von translatorius)

18. Enter White Rabbit Exit Mircella Enter The New Flesh

Das Ende fängt vielversprechend an: Mars und Pluto stehen in Konjunktion, die Sonne im Widder, das fünfte Haus ist Mircellas. Gestern einen Skorpion im Bett gefunden, heute einen Steinbock rausgeworfen, um morgen einen Fisch zu fangen. Mircella atmet schwer. Der Junge wurde nur dreiunddreißig. Heute Nacht wird sie ihn abgehängt haben. Altersmäßig, zumindest. Sie drückt stärker auf die Klinge. Das mit den Löchern hatte nicht geklappt. Das mit der Anzeige auch nicht: Wer will der Pilatus für meinen Panther sein? Nur Fallobst hatte sich gemeldet. Uninteressantes Mit-Dreißiger Pack, langweilig, hässlich obendrein. Alles muss man selbst machen (And I thought I had to get one of the goddamn maids to help me). Mircella setzt die Klinge nochmals an. Alles muss man selbst machen. Wenn sie es bis Mitternacht schafft, wird sie 34 sein. Ein Jahr älter als er. Ein Jahr weiser, ein Jahr wunder. Das Messer ist scharf genug, ein leichter Druck genügt, alles muss man selbst machen. Sie lehnt sich zurück. In die richtige Richtung geschnitten. Sie lächelt zufrieden. Das weiße Kaninchen kann man auch allein besuchen, dazu braucht man die gottverdammten Zimmermädchen nicht, aber alles alles ALLES muss man selbst machen, verdammt. Der Plan ist gut: Fünf Tage später, pünktlich zu Ostern, wird man sie finden, das große Osterei, gut versteckt vom weißen Kaninchen. Pünktlich am Ostersonntag, am Auferstehungstag, wird man sie finden, mumifiziert wie Nefertiti, lecker wie ihr treuloser Gatte, flankiert von Horus und dem großen Kaninchen, jederzeit bereit zur Auferstehung. Sie schließt die Augen. In die richtige Richtung geschnitten. Myrrhe unter den Lidern. Weihrauch in der Nase. Das Herz in einem kleinen goldenen Ei, Copyright by Ferrero. Die Hände gefaltet, die Zepter gerichtet: Eins gegen Pluto eins gegen Mars. Alles muss man selbst machen. Sie tritt die Reise an.

Oh, meine Mutter, Nut, lass mich zu dir aufsteigen – ich bin deine Tochter. Nimm die Müdigkeit von mir, und lass mich in deinem Schoß wohnen. Bei dir werde ich nicht vergehen - ich bin ein unvergänglicher Fixstern.

Jesus geht die Potsdamer Straße entlang und wundert sich über die wenigen Osterhasen in den Fenstern. Sind die schon wieder out? Man kriegt nichts mit da oben. Er geht über die Straße und ins fünfte Haus auf der rechten Seite. Er geht in den ersten Stock und macht mit einer Plastikkarte, Copyright by VISA, die Tür auf. Altes Berliner Schloss. Er wundert sich über nichts mehr. Mircella ist in ihrem Zimmer. Sie lehnt friedlich an der Wand im Westen, ein kleines Plüschkaninchen, Copyright by Steiff, in ihren blutigen Händen. Jesus beugt sich hinunter und küsst ihre Stirn. Dann streichelt er ihren Bauch. Hallo, mein Kleines, dein Papa ist hier. Er holt sein Handy, Copyright by Nokia, aus dem Lendenschurz und ruft einen Krankenwagen. Nein, die Mutter ist nicht mehr zu retten. Aber das Kind. Er gibt die Adresse durch, küsst Mircella auf die Stirn, zwinkert Osiris zu, geht wieder raus. Die Kleine wird hässlich werden, mit krummen Hörnern und einem verkümmerten Fuß, aber das liegt an den verkackten Genen seines Bruders, und während er sich kratzt, beginnt er zu leuchten und gen Himmel aufzusteigen. Mars und Pluto funkeln einige Minuten nach. Es ist Ostern.
Von Mars und Pluto: Goodbye today hello tomorrow von translatorius





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