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datum: 12.07.2001
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Stimmen im Kopf (von hysterius)

Hugo hat gesagt, die Frequenz der Umdrehungen unserer Zellen entspricht ca. 94, 4 Megaherz, das heißt ungefähr der "Radio Freies Berlin". Wenn man also Radio hört und sich dann die ganzen Radiowellen durch den Körper jagt, dann ist man irgendwann ganz schön arm dran. Dann ist es Schluß mit lustig und Dunkel im Schacht. Das ist seine Theorie.

„Dann brauchen wir nämlich gar nicht wieder anfangen mit unseren läppischen Radiomixes. Die auf zwei Minuten achtunzwanzig genormten Hitbits. Die können wir dann schon gar nicht mehr hören vor lauter Radiowellen, die durch unsere verkrebsten Lungen schwelen. Oder das Gehirn verwirrt haben.“

Deswegen macht er nur Rockmusik. Ganz lange Stücke. Mindestens sieben Minuten und die spielt das Radio sowieso nicht. Höchstens in einer Sondershow. Aber da er ja kein bekannter Künstler ist und nicht veröffentlicht, wird er da auch nicht gespielt. Ganz schön praktisch.

Sein Freund dachte mal, er hat einen Sender im Zahn. Auf jedenfall hat er Radiowellen empfangen und dann immer Stimmen im Kopf gehabt. Ich übrigens auch mal. Da war dann einer der hat gesagt: „Weiter, wir müssen weiter gehen!“ Und ein anderer hat sich beschwert:“Was willst Du eigentlich mit dieser unfähigen Radiobitch, die kann ja nur ein wenig elektrische Geräte beeinflußen, total unbegabt!“

Dann kam ein Rauschen und Schluß. Funkkontakt abgebrochen.

Den Ersten, mit seiner tiefen sonoren Stimme, habe ich mir immer als Professor vorgestellt. Im weißen Kittel und mit weißem wirren Haupthaar.
Der andere, meinte ich zu erkennen, war so ein arroganter Anzugtyp, dünn nervös und ziemlich aggressiv...

...danach habe ich erstmal Depressionen bekommen. War das wirklich wahr? War ich nur eine dumme Radiobitch, die nur ein paar kleine elektrische Geräte beeinflußen konnte? Diese Idee war wirklich deprimierend.

Und warum haben die sich eigentlich ausgerechnet in meinem Kopf unterhalten? War das ein wissenschaftlicher Versuch? Oder wurde ich nur kurzzeitig als Empfänger mißbraucht.

Ich habe mich da letztens mit einer Radiomoderatorin drüber unterhalten. Die meinte, sie hat das auch manchmal, vor allem weil sie ja schon morgens um drei aufstehen muß. Jeden morgen!

Schließlich moderiert sie ja die Morningshow und da ist dann fünf Uhr für sie so, wie für uns zwölf Uhr Mittags. Sie kommt an, mit den Augenlidern nach unten, weit über ihre Augenschatten hängend, schlürft einen Kaffee und los geht die gute Laune.

Die Lieder die sie spielt sind übrigens ermittelt. Da geht es um Wiedererkennung, um Dinge, die nicht so sehr auffallen. Die man eben gut nebenher hören kann. Ohne das einem klar wird, was für eine Scheiße man da gerade wieder in sich aufnimmt. Und meistens gefällt es einem ja auch, zumindest, nachdem man es zehn mal gehört hat.

Aber wenn das Radio nicht will, dann hat der Musiker abgekackt. Dann wird der Radiomix des Songs eben nicht zehnmal gespielt sondern keinmal und dann ist Schluß mit Lustig und Ruhe im Karton dann ist dunkel im Schacht, da platzt der Ballon. So ist das mit dem Radio. Echt deprimierend!
Stimmen im Kopf von hysterius





Pock 1
Für Elisa
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