sitzung: 10 [ Protokoll ]
datum: 22.11.2001
text: 1 [ 2  3  4  5 ]
schrift: 10px [ 12px  14px   ]
Pock 8 (von rio de janeirius)

Putloff verzog keine Miene und schloß die Tür. „Ach nee“, grunzte er, „sollte das tatsächlich der Schatten von Ingo Swann sein, der mir die Sicht auf meine Jalousien versperrt.“ Er ließ sich in seinen Sessel plumpsen, ohne eine Reaktion des Inspektors abzuwarten, und wedelte eine Stehen-Sie-bequem-Handbewegung. „Tag, Putloff“, antwortete der Schatten und verschränkte seine Arme. „Was kann ich für die Herren tun“, japste der Fettwanst und löste sich die Krawatte vom Kragen, „was willst du hier Swann ?“ Der Inspektor betrachtete Putloffs Finger, die mit dem grellgemusterten Ding spielten. Sie waren zu richtigen Wurstfingern geworden. „Der ganze Sand da draußen macht einen ziemlich durstig“, sprach der Schatten, als sei er deswegen hergekommen. Das Doppelkinn zitterte über dem offenen Kragen. „Schau mich an, Swann, schwitze ich etwa ? Kann ich noch schwitzen, he ? Also vergiß es.“ Putloff ergriff die Krawatte wie eine kurze Peitsche und schlug abwechselnd mit ihr auf die Tischkante und auf seinen Schmerbauch, „Mach – es – kurz !“
Die Abteilung war zwar aufgestockt worden, aber die Gesichter trugen den immergleichen Ausdruck latenter Verzweiflung. Einige Visagen nickten dem Inspektor einen wortlosen Gruß zu und schon versenkten sie sich wieder in ihre Grübeleien. Putloff hatte ihm ein halbe Stunde gewährt, nicht eben viel, zumal Swann sich nur auf seine Intuition stützen konnte. Als Bonbon hatte der Dicke ihm noch einen Aufpasser mitgegeben, einen bleichen Wachmann, dessen Augen eigentümlich rollten, ähnlich denen eines Gecko. Sie kamen an den beiden Anzügen vorbei, die so unversehrt waren wie am Tag des Absturzes. Swann hatte sie damals geöffnet und Putloff versehentlich einen Teil der Pulverwolke eingeatmetet, zu der die Fremden blitzartig verpufft waren. So hatte sich ein Mißgeschick ans nächste gereiht und schließlich begannen auch noch Gerüchte zu kursieren. Swann schritt gemächlich die Regale mit den numerierten Fundstücken ab und ließ den Blick schweifen. Der Gecko neben ihm hatte ein Auge auf das jeweils letzte Objekt und sein anderes auf das aktuelle gerichtet, als wolle er Putloff hinterher Swanns Gedankenkette memorieren. Glasige Pilze auf einer Hantel, eine Bärenfalle en miniature, eine Art Streichinstrument mit Kapillaren, und so weiter und so fort, unverständliche Gerätschaften aus unbekannten Materialien, so fremd und sinnlos, wie die Knotenschrift der Indios. Enttäuscht zerknüllte der Inspektor Riohachas Telegramm, die Hände in den Hosentaschen.
Schlinger-Zinfandel-Peterson ging ohne Abschied in den späten Nachmittag hinaus und hatte nur ein Ziel, die graue Lola. Er ließ seinen Wagen stehen und ging den kurzen Weg durch die Dünen zu Fuß. Die alte Hure stand tatsächlich im Eingang und hielt Ausschau. „Dich kenn ich doch“, schmatzte sie, als er die Stufen nahm, „dir fällt doch überall der Himmel auf den Kopf.“ „Nur bei dir nicht, Süße“, grinste er sie an und gab ihr einen Klaps. „Willkommen in mein Pissanola“, gurrte sie zurück und schob den Rock über eine Backe hoch, „gleich hier oder erst was trinken ?“ „Meine Kehle ist staubtrocken“, flüsterte er in eines der welken Ohren und zog sie mit sich hinein. Der erste Ritt war der beste, aber zwischen den beiden folgenden kam die Belohnung. Lolas Augen leuchteten im Halbdunkel wie Salzseen. Er reichte ihr das knisternde Gras. Sie bleckte ihre Stümpfe und sog. Die Bärenfalle schoß ihm durch den Kopf, er faßte sich an die Stirn und begann zu lachen. „Komm“, sagte sie, „wir machen draußen weiter.“
Pock 8 von rio de janeirius





Pock 8
Wichsätz
spontantext/text fehlt
n.n./text fehlt/janus
Volksempfänger 1 /text fe...


in dieser Staffel suchen