sitzung: 1 [ Protokoll ]
datum: 18.10.2006
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Geisterjäger (von translatorius)

Ein Blick in die Archive, ein Blick in die Vergangenheit und ich lande bei einem Text von einem Toten. Und ich frage mich, wer zum Teufel hat das geschrieben?

Ich bleibe bei einem bestimmten Text hängen und das war nicht meine Absicht. Ich wollte über „uns“ schreiben und über „die anderen“, doch der Text hat mein Interesse geweckt, wer schreibt so was, wer schreibt Sätze wie „Above the oddly shaped structure attached to my back, a ridge passing through the valley that is my vertical body“? Oder: “The visionary eye recites and hallucinates what it owns. The sound of one eye closing fills my head, somewhere …”?

Auf der alten Website kann ich den Autoren nicht finden. Die Navigation ist mir inzwischen zu intuitiv. Ich sehe in einem Ordner nach, Papier auf Papier, und finde das Original. Ein beschissener Ausdruck aus einem kaputten Drucker. Ein Name steht handschriftlich daneben. Wer ist diese Person?

Ein toter Translatorius anno 1998.

Ich bin schockiert.

Wie soll ich über „uns“ und „die anderen“ schreiben, wenn ich nicht mal mehr meine eigenen Texte erkenne? Wenn ich mich selbst nicht mehr kenne? Wo hat sich die Kontinuität versteckt? Bestimmt nicht in meinen Zellen. Die sind seit damals komplett ausgetauscht.

Wo also dann?

Wenn die Angst nachlässt, mache ich den ersten Schritt in den Garten, dann den nächsten. Scheiß egal, wer wer ist. Wir haben genauso viel gewonnen wie verloren. Die, die noch da sind, enthalten die, die schon weg sind. Ich kann nicht behaupten, dass wir mehr sind als Erinnerungen. Und das schließt mich ein.

Die Geister, die ich schrieb, sind auf der Flucht, aber ich bin ihnen auf den Fersen.

Die ag ist tot. Lang lebe der inhalt.
Geisterjäger von translatorius





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