sitzung: 2 [ Protokoll ]
datum: 26.07.2001
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Pock 2 (von rio de janeirius)

Einige Tage später erschien jener Inspektor, an den die Bundespolizei den Fall Pock weiterreichen mußte. Die Nachforschungen der heimatlichen Beamten hatten zu keinerlei brauchbarem Resultat geführt. Elizabeth Pock hatte nackt und teilnahmslos in der Wanne gedümpelt, schon etwas angedunsen, der Briefträger war über allen Verdacht erhaben, denn dem Ehepaar waren auschließlich Postkarten zuzustellen gewesen und deren Inhalt konnte der pünktliche Mann glaubhaft als allerlangweiligste Grüße einer verstreuten Verwandtschaft referieren, und Pock selbst, der Hauptverdächtige, war und blieb spurlos verschwunden.
Der Inspektor hielt es nicht für nötig, seinen Namen an die große Glocke zu hängen. Schon bei der Ankündigung seines baldigen Eintreffens hatte der Beamte am Telefon trotz Nachfragens kapitulieren müssen, angeblich wegen eines knackenden Knirschens in der Leitung, auf das ein knirschendes Knacken gefolgt wäre. Dennoch wurde der Inspektor sofort erkannt, und was eigentlich erstaunlicher war, er wurde auch weiterhin, also während der folgenden Tage, von allen Dienst- und Privatpersonen nicht nur erkannt, sondern sogar wiedererkannt. Und das konnte nur in seiner unzweifelhaften Aura begründet sein, denn der Inspektor schien gar nicht bloß ein Inspektor zu sein, sondern gleich deren mehrere, um nicht zu sagen Dutzende. Er war ein wandelndes Chamäleon. Irgendwie brachten das die geübteren Denker der kleinen Stadt dann auch mit Pock in Zusammenhang, der seinerseits durch nichts aufgefallen war im großen und ganzen, und sich demnach zumindest so erfolgreich wie ein Chamäleon zu tarnen gewußt hatte. Denn für die geübten Denker ergab sich letztlich derselbe messerscharfe Schluß, den auch die ungeübteren ad hoc gezogen hatten: Pocks Frau tot Pluszeichen Pock fort Gleichheitszeichen Mörder Pock auf der Flucht.
Den ersten Fehler der Bundespolizisten bügelte der Spezialist noch aus, ohne dabei mit der Wimper zu zucken. Er wollte die letzte Postkarte sehen. Zunächst war sie nicht aufzufinden. Der Briefträger konnte sich unmöglich erinnern, ob und wo er sie abgelegt haben könnte, er geriet sogar in ein verhuschtes Stammeln, als der Inspektor ihn nach dem Inhalt befragte. Dann übten sich die heimatlichen Beamten in allerlei Gesten der Verlegenheit. Endlich machte man sich gemeinsam auf die Suche.
Der pünktliche Mann war es, der seine Scharte wieder auswetzte. Die Karte lag unter dem Telefon, da wo er sie vergessen hatte, als er von seinem Fund berichtete. Der Inspektor betrachtete sie lange und ausgiebig, sie war in Kuba aufgegeben worden, undatierbar abgestempelt, zeigte auf der Vorderseite eine Art bunter Prozession, einen tropischen Mummenschanz, und auf der Rückseite stand folgender Text nebst einer krakeligen Unterschrift, die vielleicht Schramm oder Schramme bedeuten mochte:
Gebe Vollzug bekannt, meine Lieben, es war die seltsamste Trauung meines Lebens! San Leguan ist ein wundervolles Nest, verschlafen, honigduftend, ewig. Nur die Kirche – sie nennen sie hier die Radiokirche – läßt einige Wünsche offen, was solls, braucht man denn einen Turm um zu heiraten, ist es etwa verboten alle Musik vom Band ablaufen zu lassen – und sie hatten sogar „Für Elise“ von Beethoven da – wir haben es jedenfalls genossen. Herzlichst, S.......
Pock 2 von rio de janeirius





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