sitzung: 14 [ Protokoll ]
datum: 14.02.2002
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Pock 9 (von rio de janeirius)

Der dicke Glund stand im Gebüsch versteckt und ließ Haus und Garten nicht aus den Augen. Es strengte ihn an, denn das Mondlicht becircte seine eigentlich bescheidene Phantasie. Ihm stand der Schweiß auf der Stirn. Vor Müdigkeit zitterten ihm die Knie. Die Jahrhunderthitze hatte seinen Verstand eingeschmolzen und quecksilbrig gemacht. Glund hatte alles nötige vergessen: eine Sitzgelegenheit, seine Waffe und etwas zu trinken. Aber was ihn am meisten ärgerte, das war sein Lospech. Warum erwischten die dringenden Sondereinsätze immer ihn ? Warum mußte eine vermeintlich tote und glücklicherweise doch lebende Person überhaupt observiert werden ? Nur eines stimmte ihn gnädiger: er würde bei dieser Gelegenheit ein paar Pfunde verlieren.
Der Inspektor fuhr noch in der Nacht los. Immer wieder blickte er vergnügt auf das zerknitterte Telegramm, das er glattgestrichen und an die Windschutzscheibe geklebt hatte. Er schnippte seine Kippe in den Sand hinaus und kam mit der Nase ganz nah heran: selbst das Papier roch noch nach der grauen Lola. Ihr Salz, ihr See, ihr Auge hatten ihm die Richtung gewiesen. Dieses kleine komische Ding von der Form einer Bärenfalle war der Weg zur Lösung. Da saß Putloff in seinem Reich, ging jeden Tag an dem Ding vorbei und ahnte nichts. Armer Putloff.
Das gleichmäßige Schwingen des Schaukelstuhls hörte so abrupt auf, daß Glund vor Schreck fast aus dem Gebüsch heraus auf die Straße gefallen wäre. Elizabeth Pock hatte sich erhoben, stieg von der Veranda herunter und begann den Rasen zu sprengen. Der Wasserstrahl glitzerte im Mondschein und Glund fuhr sich unwillkürlich mit der Zunge über seine ausgetrockneten Lippen. Die Gärtnerin ging mit dem Schlauch umher, wässerte Sträucher, Beete und Bäume, hielt dann mitten auf dem Rasen stehend inne und begann sich selber abzuduschen, angezogen wie sie war. Meine Güte, dachte er unverblümt, was für eine Figur, ich träume wohl ! Der dicke Glund hatte ein starkes Faible für zartgebaute Frauen und vergaß über den unerwarteten Anblick sogar seinen Durst. Schlaff hing ihm die Zunge heraus.
Der Inspektor gab seinem Ford Sarg die Sporen. Als erstes würde er Riohacha per Telegramm instruieren. Wenig später würde er die vermeintliche Gattin von Pock quetschen. Und der Rest würde sich ergeben. Er warf dem Mond eine Kußhand zu und lehnte sich entspannt zurück. Kein weiterer Verkehr, nur dunkler Asphalt und schimmernder Sand, es ist eine Freude zu denken, dachte er und begann alles loszulassen und endlich einmal wieder unbeschwert in die Vollen zu denken. Riohacha hatte es zufällig in den Jamaika-Akten entdeckt. Anfang des Jahres war ein abgemagerter Kerl am Strand von Kingston aufgefunden worden. Restlos erschöpft und durchweicht, in einer abgewetzten Uniform, als wäre er vom Meeresboden hinaufgestiefelt. Er konnte nicht reden, denn er hatte keine Zähne mehr im Mund ! Aber bevor er starb, kritzelte er noch ein Wort in den Sand, vielmehr den Beginn eines Wortes: Radio...
Glund hörte es hinter sich knacken, aber er war viel zu fasziniert von dem nassen Körper im Garten, um das Geräusch ernst nehmen zu können. Jemand tippte ihm auf die Schulter. Glund drehte sich um, als befände er sich auf der Wache. Vor ihm stand eine Frau, der Mond schien ihr direkt ins Gesicht. Glund sah über seine Schulter zurück zum Rasen. Der Schlauch gurgelte und darunter duschte Elizabeth Pock. Er kehrte wieder um und schaute der Fremden erneut ins Gesicht: es war ebenfalls Elizabeth Pock, zweifellos. Glund wünschte ohnmächtig zu werden, aber sein Schicksal entschied anders: die Frau aus dem Nichts fiel über ihn her, und das letzte, was er registrierte, bevor sein Bewußtsein zerfaserte, war, daß er überhaupt nicht mehr schwitzte.
Pock 9 von rio de janeirius





Pock 9
The Pock Files 01
n.n./text fehlt/lindus
Actionradio
Paranoiakongokuckert


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