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datum: 14.02.2002
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The Pock Files 01 (von translatorius)

“Hallo, ich bin’s. Pock.“

Zitternd lege ich auf. Es klingelt wieder. Verdammt, der Typ existiert wirklich. Ich mache einen Satz nach hinten und stolpere über die Couch. Normalerweise ist mir meist kalt, doch nun wird mein Gesicht heiß. Es wird rot. Ich reiße meine Jacke vom Stuhl und renne nach draußen. Jetzt bloß nicht in geschlossenen Räumen bleiben und dem Wahnsinn anheim fallen. Pock hat angerufen. Pock existiert.

Pock hat mir immer schon Angst gemacht. Damals, als ich ihn im Wald traf. Ich war mit dem Hund meines Vaters unterwegs und traf auf ihn auf einem morgenleeren Waldweg. Das Wetter war trüb, zwischen den Bäumen war es feucht und kalt. Ich kann mich nicht mehr erinnern, wie lange wir dort standen und Small Talk betrieben, geplaudert und geplänkelt haben in Ermangelung sinnvoller Inhalte, die wir hätten teilen können, hätten wir uns besser gekannt, doch Pock war nur eine flüchtige Bekanntschaft aus dem Nachtleben und das Nachtleben war für mich damals schon sehr flüchtig geworden. Ich kann mich nicht mehr erinnern, wie lange wir dort standen und plauderten, doch war mir so, als hätte mich Pock ins Unterholz gezogen. Danach dieses Brennen im Rumpf, dieses Ziehen, wenn ich pissen ging. Den Hund meines Vaters konnte ich nicht fragen, er tat so, als hätte er nichts gesehen. Also verdrängte ich es schnell wieder und ging beiden (dem Hund und Pock) aus dem Weg.

Das Pock-Chakra wird aktiviert, indem man mit verbunden Augen durch Prenzlauer Berg stolpert, bevorzugt die Kastanienallee hinunter zwischen Straßenbahnschienen und geparkten Autos, immer im Fluss und extrem schnell, sodass “die anderen“ nur unscharfe Konturen, eine Ansammlung von energetisch aufgeladenen Molekülen erkennen können, so als würde man beim Laufen fast unsichtbare menschengroße durchscheinende Abbilder von sich selbst hinterlassen. Der korrespondierende Nadi wird stimuliert, wenn man ein paar Züge einer halblegalen Substanz inhaliert, (den sogenannten “Schal“ anzieht) und ruhig aus dem Fenster gleitet. Man startet in der Husemannstraße und bewegt sich Richtung Danziger in den nördlichen Prenzlauer Berg. Man kann einen Zwischenstopp bei Vopo machen, um sich Tickets für die Strokes oder BRMC zu holen, falls die nette Dame hinter dem Counter Geld von einem Astralkörper annimmt. Falls nicht, zeigt man auf das Motormania-Plakat und sagt: „Loulou, c’est moi?“ Bei ausreichender Reinigung des Pock’schen Nadis kann man Kopf-, Hand- und Genitalstände ohne fremde Hilfe stundenlang vor einer aufmerksamen Yogaschule betreiben und dabei sein Ego vergessen. Oder eher das Selbst? Oder wurde ich nur kurzzeitig als Empfänger missbraucht?

Zwei drei Jahre später traf ich ihn dort, wo ich die meisten Leute traf. Auf der Strasse auf dem Weg zwischen meinem Zuhause und meinem Büro. Fast alle, die ich kannte, schienen sich auf den paar Quadratkilometern dieses Stadtteils aufzuhalten und es war unmöglich, das Haus zu verlassen, ohne jemanden zu treffen, den man kannte, aus dem eigenen Telefonbuch oder aus dem Fernsehen. Ich hatte kein Fernsehen, aber mein Telefonbuch quoll über, und mein Kopf ebenso. Pock, gesprächig und interessiert, entwickelte sich flugs zu einem weiteren Element meines Sozialstresses, aber natürlich habe ich Zeit, lass uns treffen, am Wochenende? Gerne. Dann kam ein Rauschen und Schluss. Funkkontakt abgebrochen.

What if Pock, the ’Dunkiman’ calls at night? What will you do? Will you jump out of the window? Will you spread your legs to forestall worse things? Will you talk to him make him love you not hurt you? Will you be able to look at yourself after he left? What will happen to your causal your physical your astral body? What will happen to your fluids? Now that you know he’s ‘real’.
To Pock you won’t be more than sushi.
He’ll slurp you down like maki dip dip into soy sauce and down with it.
Next stop: Pockwald.


1. Bestandsaufnahme

Bei Smart Eating kommt es nicht nur darauf an, was man isst, sondern auch, wie man es isst. Zweiunddreissig Tüten Chips wurden umsonst aufgerissen, 23 Flaschen Bier und diverse Fruchtsäfte vergammeln nun dem Haltbarkeitsdatum entgegenstrebend im Kühlschrank, wo es so kalt ist, wie auf den eingefrorenen Konten.

Immer schon suspekt gewesen war mir dieser Mann am Ende der Strasse. So ruhig, so höflich so gebückt, wenn man ihn traf. Seine Frau war eine Hyäne. Wir gingen ihr nicht aus dem Weg, weil wir bei ihren hysterischen Anfällen dabei sein wollten. Ihr Lachen war in allen Supermärkten in der Gegend berühmt. Manchmal versteckten wir uns hinter den Zeitschriften an der Kasse, um ihr zuzuhören. Er folgte ihr schweigend, unauffällig schob er den Einkaufswagen und hinterließ keine Spuren. Gruselig, das. Als es dann passierte, das mit dem Radio, und er verschwunden war, verwunderte uns das überhaupt nicht. Der Mann ist mir nicht geheuer. Ich bin mir sicher, er hatte was damit zu tun.

Man sagt, er habe Stimmen im Kopf. Stimmen, die nicht nur er, sondern auch andere hören können, wenn sie nahe genug an ihm dran sind. Man sagt, er habe auf die Erleuchtung gewartet, oder war’s umgekehrt? Man sagt, er hatte ein Radio, das nach Fisch roch, das ihm sagte, was zu tun sei, das ihm befahl, es in die Badewanne zu werfen, denn gehören Fische nicht ins Wasser? Man sagt, dass man sie lachen hörte, und dass sie nicht allein war. Man sagt, es passierte bei Britney Spears.
The Pock Files 01 von translatorius





Pock 9
The Pock Files 01
n.n./text fehlt/lindus
Actionradio
Paranoiakongokuckert


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