sitzung: 18 [ Protokoll ]
datum: 21.05.2002
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Mehr Frauen als Frank (von medicus)

Es muss wohl diese Musik gewesen sein, die mich aufwachen lie?. Von weiter Ferne hob sie mich aus meinen Träumen. Benommen starrte ich in das Dunkel der Augenlider, der Körper noch erstarrt vom Schlaf. Meine Gedanken setzten ein wie zuckende Larven in einem Kokon.
Strangers in the night, exchanging glances
wandering in the night, what were the changes
we'll be sharing love before this night is through
Ich erinnere mich an einen harten Arbeitstag. Kein Wunder, dass meine Knochen sich so schwer anfühlen. Danach kam ich nachhause und warf meinen Mantel und Koffer in die Ecke und griff mir die offene Wei?weinflasche aus dem Kühlschrank.
"Wie war's bei der Arbeit?", fragte sie und warf mir einen mitfühlenden Blick zu.
Ich erzählte ihr von der Auftragsarbeit, die wider meinen Erwartungen nicht angenommen worden war. Den ganzen Tag hatte ich mit den Korrekturen verbracht, obwohl die Rechnung schon geschrieben und mich die Sache längst nicht mehr interessierte.
"Ich muss endlich weiterkommen.", beklagte ich mich und merkte, dass ich das erste Glas viel zu schnell getrunken hatte. Ich goss mir nach.
Sie stand mit dem Rücken zu mir und hackte Zwiebeln. Ihr Ehering lag neben dem schweren Holzbrett und den Zwiebelschalen. "Du musst müde sein, lass dir doch eine Wanne ein, entspann' dich, dann bin ich mit dem Essen fertig."
Genau das richtige jetzt, dachte ich, während ich auf dem Wannenrand sa? und an der Armatur die richtige Wassertemperatur einstellte. Ich wei? auch noch, wie angenehm das war - so in der Wanne zu liegen, einen feuchten Waschlappen auf dem Gesicht und zu hören, wie sie in der Küche mit dem Geschirr klapperte und unser Essen zubereitete.
Lange schon war es nicht mehr so entspannt gewesen zwischen uns.
Something in your eyes was so inviting
something in your smile was so exciting
something in my heart told me I must have you
Diese Musik lie? mich nicht ruhen. Ich wu?te, gleich werde ich die Augen aufschlagen und auf ein schlafendes Gesicht schauen, wie ich es schon so oft getan hatte.
Schön war es, als die Badezimmertür aufging und sie hereinschaute.
"Hmm, das sieht gemütlich aus." Sie trat herein, "schau mal ich habe dein Lieblingslied aufgenommen.". Sie hielt das Kassettenradio aus der Küche zwischen Arm und Brust geklemmt und schob den Stecker sanft in die Dose.
Ich nahm den Waschlappen von meinen Augen, wischte mir über das Gesicht und betrachtete wie das Radio ihren Brustansatz nach oben drückte. Erregt fuhr mein Blick über die silbernen Härchen ihrer Arme hinauf zu den Linien der Schultern, wo ein Träger ihres Kleides herunter gerutscht war. Ich wunderte mich, ob sie das so beabsichtigte und freute mich auf den Abend, das Essen und was noch kommen mochte.
"Welches Lied ist das?", fragte ich gespannt.
Sie setzte sich auf die Waschmaschine, die neben dem Waschbecken stand und drückte auf "Play".
Two lonely people, we were strangers in the night
up to the moment when we said our first hello
little did we know, love was just a glance away,
a warm embracing dance away
Die Stimme hallte sanft durch das Badezimmer und tropfte sü? von den Kacheln wie der aufsteigende Dampf der hei?en Wanne, durch den ich ihren Blick suchte und fand.
"Das ist schön." Ich genoss diesen Moment mit ihr. "Wobei es gibt noch bessere Songs, die ich dir mal ..." Etwas in ihren Augen lie? mich stocken. Sie hatte mir nicht verziehen, vielleicht sogar mehr.
Ich stöhnte, dieses Mal war es doch keine ernste Sache gewesen.
"Bist du immer noch beleid..."
"Das ist doch deine Musik, oder?" unterbrach sie mich scharf, "Immer und immer wieder.", fügte sie bitter hinzu. Ihre Lippen pressten sich aufeinander und zogen dabei eine abfallende Linie wie das Radio, dass sie in meine Richtung stie?.
Mit einem gellenden Schrei riss ich meine Augen auf. Mein Körper zuckte und tanzte zwischen hundert zischenden Schlangen, die aus dem schwarzen Kasten krochen. Das Wasser brodelte mit tausend Stimmen, bevor im Flur die Sicherungen krachten und es im Bad wieder dunkel wurde.
Mehr Frauen als Frank von medicus





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