Die ag inhalt tritt seit ihrer Gründung 1998 in Berlin als Literaturgruppe auf. Die Namen der Individuen sind unwichtig, die Texte und die zugrundeliegende Struktur, die Alchemie des Geschaffenen stehen im Vordergrund. Persönlichkeitskult wird innerhalb der Gruppe so stark betrieben, dass kein Grund dafür in der öffentlichkeit besteht. Die ag inhalt setzt sich damit von konventionellen Literatur- und Anti-Literaturmagazinen und -Kreisen ab.

SPASS:
Die ag inhalt trifft sich alle zwei Wochen mit neuen Texten. Ein Text wird nie vom Verfasser vorgetragen. Das performative Element dieser Treffen ist von großer Bedeutung. Die Idee des Salons, Rituals, Mädchenabends, der milden Orgie schließt seriöse Autorenlesungen aus. Der gesellige Aspekt des Zusammenkommens hat absolute Priorität. Elektronische oder andere Diskurse neben den offiziellen Treffen sind erwünscht und werden dokumentiert.
Der Archivarius sammelt das Material, die Texte, äußerungen und Eindrücke, verschickt Material und Rundbriefe und evaluiert die Situation des Interesses und des Feedbacks.

DIE STAFFELN:
Die ag inhalt hat bis jetzt fünf Textstaffeln produziert, die sechste Staffel ist im Entstehen.
In der ersten Staffel "Der Grosse Hasinger" haben die Texte unterschiedliche Form und Länge, sie sind gemalt, collagiert, geschrieben oder geschreinert. Sie setzen sich fort, mutieren zu Zyklen oder Novellen, orientieren sich nach vorne und nach hinten, beziehen sich auf einen oder mehrere Texte im ag-Materialpool.

Die zweite Staffel "Ich in die Supermarkt" macht aus der ag ein kollektives "Ich" das an einem gemeinsamen vernetzten Text schreibt. Die einzelnen Ichs produzieren Texte, werfen diese in den Pool, bis sich ein Text an den nächsten linkt und zum Riesensupermarkttext heranwächst. Im ersten Schritt entstehen Urtexte, die gesampelt, dann remixed werden. Texte unterliegen gewissen Regeln: sie sind nicht länger als eine DIN-A4-Seite und orientieren sich an schon vorhandenen Charakteren, Orten und Ereignissen. Eine szenische Auswahl aus Supermarkttexten (inkl. eines Supermarktdrehbuchs) wurde einige Male von der Gruppe öffentlich gelesen.

Die dritte Staffel "Radio" funktioniert ähnlich wie der Supermarkt, mit dem Radio als Basis für alle Texte, die nun aber weitaus freier geschrieben werden. Remixe und Samplings sind seltener, der Zusammenhang zwischen den Texten ist lockerer, doch zieht sich der ag-typische gegenseitige Einfluss auch hier durch den Subtext. Es entstehen, ähnlich wie bei der ersten Staffel, längere Textserien und eine Novelle. Eine Textauswahl wurde kürzlich öffentlich gelesen.

In der vierten Staffel "The Best Years of Our Lives" schreibt die ag inhalt an einer Soap Opera, bestehend aus einer Charakterbesetzung, die zunächst von den jeweiligen Urhebern entwickelt, dann für die AG-interne Weiterentwicklung freigegeben wird. Der Text erreicht hier in seiner Vernetzung die dichteste Struktur und lässt auf baldige Lesungen hoffen!

In der fünften Staffel "Streetlife" oder "Potsdamer Straße" lässt die ag ihre dubiosen Charaktere los auf eine der berühmtesten Straßen Berlins zwischen Autos, Huren und Hundescheiße gibt es Philosophisches, Historisches und zutiefst Trashiges zu erleben.

Die sechste Staffel "Monster-Kinder" sieht die ag inhalt am Scheideweg zwischen "Das Monster in mir" und "Das Monster in dir". Fast einstimmig und hochtelepathisch entscheidet sich die ag gegen Kinder. Die ag-Nachkommen müssen wohl in Reagenzgläsern gezeugt werden.

HYPERTEXT:
Die ag inhalt liest als Gruppe mit und ohne Unterstützung von Kamera, Süßigkeiten, Cheerleaders und audiovisuellen Medien. Ihre Präsenz im Netz unter www.aginhalt.de ist die logische Folge des zunächst analog verfassten Hypertextes, der nun im digitalen Netz der öffentlichkeit zugänglich gemacht und benutzbar wird. Damit lebt die ag inhalt hier und dort, physisch und elektronisch.